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Sport nach der Geburt durchhalten: Warum es allein zu Hause einschläft

Gruppe von Mamas mit Kinderwagen beim buggyFit-Kurs im Park

Sport nach der Geburt durchhalten: Warum es allein zu Hause einschläft

Kurz gesagt: Sport nach der Geburt durchhalten scheitert fast nie an zu wenig Disziplin. Es scheitert daran, dass das Training zu Hause keinen festen Platz im Tag hat und niemand merkt, wenn du fehlst. Eine große Übersichtsarbeit von 2024 hat 29 Studien ausgewertet und kommt zu einem unbequemen Ergebnis: Trainingsprogramme machen Mütter zwar fitter, aber sie bewegen sich im Alltag danach nicht mehr als vorher. Was wirklich trägt, sind ein fester Termin, andere Mamas und ein Plan, bei dem das Baby einfach dabei sein darf.

Warum schläft das Training zu Hause nach ein paar Wochen ein?

Weil zu Hause alles gleichzeitig passiert. Die Matte liegt im Wohnzimmer, das Baby schläft vielleicht, vielleicht auch nicht, und die Wäsche schaut dich an. Ein Termin, den niemand außer dir kennt, ist der erste, der gestrichen wird.

Das ist keine persönliche Schwäche, sondern gut untersucht. Befragungen von Müttern nach der Geburt nennen immer wieder dieselben Hürden:

  • Müdigkeit und wenig Energie am Ende eines langen Tages
  • keine planbare Zeit, weil der Tag sich nach dem Baby richtet
  • keine Betreuung für die Stunde, die du für dich bräuchtest
  • Unsicherheit: Darf ich das überhaupt schon? Mache ich es richtig?
  • niemand, der nachfragt, wenn du zwei Wochen nichts machst

Der letzte Punkt ist der unterschätzte. Ein Trainingsplan auf dem Handy fragt nicht nach. Eine Mama, die dich am Treffpunkt erwartet, schon.

Liegt es wirklich an meiner Disziplin?

Nein. Und dafür gibt es eine ziemlich klare Zahl. Eine systematische Übersichtsarbeit im Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy (2024) hat 6.041 Arbeiten gesichtet, 29 Studien eingeschlossen und 19 davon zusammengerechnet. Der Titel sagt schon alles: Are We Missing the Mark?

Das Ergebnis: Die Ausdauerleistung der Teilnehmerinnen verbesserte sich deutlich messbar. Ihre Bewegungsmenge im Alltag stieg dagegen nicht – der zusammengefasste Effekt lag bei minus 0,13 und damit praktisch bei null. Programme machen fit, solange sie laufen. Eine Gewohnheit erzeugen sie von allein aber nicht.

Ehrlich dazugesagt: Die einzelnen Studien waren sehr unterschiedlich aufgebaut, die Streuung ist groß. Man kann daraus nicht ableiten, dass Training nichts bringt – nur, dass die Frage Wie halte ich es durch? offenbar wichtiger ist als die Frage nach dem perfekten Programm.

Wie kann ich Sport nach der Geburt durchhalten?

Indem du die Entscheidung aus dem Alltag herausnimmst. Nicht Motivation trägt dich durch den Herbst, sondern eine feste Verabredung, ein konkreter Wenn-dann-Plan und Menschen, die dich vermissen.

Was sich als wirksam zeigt:

  1. Ein fester Termin statt „irgendwann diese Woche“. Wenn-dann-Pläne („Immer dienstags um 10 Uhr, danach der Einkauf“) verdoppeln laut einer Zusammenfassung von 94 Untersuchungen mit über 8.000 Menschen ungefähr die Wahrscheinlichkeit, dass ein Vorhaben tatsächlich stattfindet.
  2. Das Baby darf mit. Fällt die Betreuungsfrage weg, fällt die häufigste Hürde weg.
  3. Klein anfangen. Eine Stunde pro Woche, die stattfindet, schlägt vier geplante, die ausfallen.
  4. Andere Mamas. Dazu gleich mehr – das ist der stärkste Hebel.
  5. Rückschläge einplanen. Zähne, Infekte, Urlaub. Wer damit rechnet, hört nach dem ersten Ausfall nicht auf.

Wann du überhaupt starten darfst, hängt von deiner Geburt und deiner Rückbildung ab. Das gehört vorher mit deiner Hebamme, deiner Ärztin oder einer Physiotherapeutin besprochen. Ausführlich steht das in Sport nach der Geburt: Wann darf ich wieder loslegen? – und was davor im Rückbildungskurs passiert, liest du hier.

Wie lange dauert es, bis Training zur Gewohnheit wird?

Länger als die berühmten 21 Tage. In der bekanntesten Untersuchung dazu (Lally und Kolleginnen, 2010, 96 Teilnehmende über 12 Wochen) dauerte es im Schnitt 66 Tage, bis sich ein neues Verhalten automatisch anfühlte. Die Spanne reichte von 18 bis zu geschätzten 254 Tagen. Wer nach drei Wochen aufgibt, weil es sich noch anstrengend anfühlt, hört also mitten im normalen Verlauf auf.

Der wichtigste Befund dieser Arbeit nimmt aber Druck raus: Ein ausgelassener Tag hat die Gewohnheitsbildung nicht messbar zurückgeworfen. Nicht der eine verpasste Termin bricht dir das Genick, sondern die Überzeugung, jetzt sei sowieso alles egal.

Was kann eine Gruppe, was der Trainingsplan auf dem Handy nicht kann?

Sie macht das Nichthingehen sichtbar. In einer randomisierten Studie mit 175 Frauen zwei bis sechs Monate nach der Geburt, veröffentlicht 2026, blieben 98 bis 99 Prozent bis zum Ende dabei; 94 Prozent kamen zu mindestens vier von sechs Stunden. Solche Werte erreicht ein Trainingsplan allein selten.

Eine Übersicht von sechs randomisierten Studien (BMC Women’s Health, 2021) fand bei Gruppenangeboten für Mütter Verbesserungen beim selbst berichteten Bewegungsumfang und beim seelischen Wohlbefinden. Ehrlich dazu: Wo objektiv gemessen wurde, zeigte sich der Effekt nicht mehr klar – das hat allerdings nur eine einzige der Studien getan. Die Datenlage ist freundlich, aber nicht erdrückend.

Was in Befragungen dagegen sehr deutlich wird: Mütter bleiben dabei, wenn sie sich gesehen fühlen. Das Gefühl, mit dem eigenen Chaos nicht allein zu sein, ist selbst ein Grund zu kommen – darüber haben wir in Einsamkeit als Mama geschrieben.

Drei Frauen kamen. Drei Wochen später zwölf. Acht Monate später Wartelisten. – Jana über den ersten buggyFit-Kurs im Englischen Garten, April 2009

Wie viel Bewegung reicht – und was, wenn ich wochenlang ausfalle?

Die WHO empfiehlt Frauen nach der Geburt ohne medizinische Gegengründe rund 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, dazu kräftigende Einheiten. Das klingt nach viel, und an einem Tag mit Schlafmangel ist es das auch.

Die gute Nachricht: Für den seelischen Effekt braucht es weniger. Eine Auswertung von 35 Studien mit 4.072 Frauen (British Journal of Sports Medicine, 2024) fand, dass Bewegung nach der Geburt depressive Symptome und Angstsymptome messbar verringert – für eine deutliche Wirkung reichten rund 80 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Das sind zwei Kursstunden.

Und wenn du sechs Wochen komplett ausfällst? Dann fängst du wieder an. Nicht dort, wo du aufgehört hast, sondern eine Stufe darunter. Tauchen dabei Beschwerden auf – ein Ziehen im Beckenboden, Rückenschmerzen, ein Druckgefühl nach unten – gehört das abgeklärt, bevor du weitermachst. Woher Rückenschmerzen nach der Geburt kommen, liest du hier.

Wo finde ich einen Kurs, bei dem mein Baby dabei sein darf?

Genau dafür gibt es buggyFit: Training draußen, Kinderwagen daneben, andere Mamas um dich herum. Kein Leistungsdruck, keine Vorher-nachher-Fotos, und wenn dein Baby mittendrin Hunger hat, ist das normal.

Wenn gerade kein Kurs in deiner Nähe stattfindet, ist Training zu Hause besser als nichts – wie das sinnvoll aussieht, steht in Rückbildungsübungen für zuhause.

Häufige Fragen

Ab wann kann ich nach der Geburt wieder mit Sport anfangen?

Das hängt von deiner Geburt, deiner Rückbildung und deinen Beschwerden ab, nicht vom Kalender. Der übliche Weg ist: erst der Rückbildungskurs, dann der Aufbau. Sprich den Startzeitpunkt mit deiner Hebamme, deiner Ärztin oder einer Physiotherapeutin ab.

Ich habe drei Wochen nichts gemacht. War alles umsonst?

Nein. In der Gewohnheitsforschung hat ein ausgelassener Tag die Automatisierung nicht messbar zurückgeworfen, und auch nach längeren Pausen kommt Kondition schneller zurück, als sie beim ersten Mal aufgebaut wurde. Fang eine Stufe tiefer wieder an.

Reicht ein Spaziergang mit dem Kinderwagen?

Als Einstieg ja, und er zählt auch für die 150 Minuten pro Woche. Für Beckenboden und Rumpf braucht es zusätzlich gezielte Kräftigung – zügiges Gehen allein ersetzt das nicht.

Wie oft pro Woche sollte ich trainieren, damit es etwas bringt?

Zweimal pro Woche ist ein realistischer und wirksamer Rahmen. Die Auswertung von 35 Studien zeigt schon bei rund 80 Minuten moderater Bewegung pro Woche einen deutlichen Effekt auf die Stimmung.

Was mache ich, wenn mein Baby während des Kurses schreit?

Dann kümmerst du dich um dein Baby und steigst danach wieder ein. In einem Kurs, der für Mamas gemacht ist, stört das niemanden – die anderen kennen es.

Ich schaffe es einfach nicht, mich allein aufzuraffen. Ist das normal?

Das ist sogar die Regel. Deshalb ist die feste Verabredung mit anderen wirksamer als jeder Vorsatz, mehr zu wollen. Such dir nicht mehr Disziplin, such dir eine Gruppe.

Über die Autorin

Jana Wetterau-Kliebisch ist Physiotherapeutin und Gründerin von buggyFit. Seit 2009 – damals mit drei Frauen im Englischen Garten in München – bringt sie Mütter mit ihren Babys draußen in Bewegung. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung: Was für deinen Körper nach deiner Geburt richtig ist, klärst du mit deiner Hebamme, deiner Ärztin oder einer Physiotherapeutin.