Ist Urinverlust nach der Geburt normal?
Nein. Auch wenn es sehr vielen Frauen so geht: Ein paar Tröpfchen beim Husten, Lachen oder Trampolinspringen sind kein Schicksal, mit dem du leben musst. Rund jede dritte Frau hat nach einer vaginalen Geburt eine Blasenschwäche, doch das lässt sich mit gezieltem Beckenbodentraining wiederherstellen.
Lass dir von niemandem einreden, das sei einfach so und du müsstest dich damit abfinden. Dein Beckenboden lässt sich trainieren, in jedem Alter und zu jedem Zeitpunkt.
💪 Wiederherstellbar
Warum ist Beckenbodentraining nach der Geburt so wichtig?
In der Schwangerschaft sorgen Hormone dafür, dass Muskulatur und Gewebe weicher werden, damit dein Bauch wachsen kann. Nach der Geburt bildet sich diese Muskulatur nur langsam zurück.
Dein Beckenboden hat in der Schwangerschaft und Geburt viel geleistet: Er hat dein Baby neun Monate lang mitgetragen und ihm den Weg zur Welt geöffnet. Nach der Geburt darf er sich das erst zurückerobern.
Das darfst du dir nicht einreden lassen
Weibliche Harninkontinenz galt lange als reines Alter-Thema. Doch auch viele junge Mamas sind betroffen und sprechen kaum darüber, weil es ein schambehaftetes Thema ist.
Häufig ist nicht dasselbe wie normal.
Rund ein Drittel aller Frauen verliert nach einer vaginalen Geburt unkontrolliert Urin. Das ist verbreitet, aber kein Zustand, mit dem du dich abfinden musst. Durch gezieltes Training bessern sich die Symptome bei vielen Frauen deutlich oder verschwinden ganz.
Wenn dir jemand sagt, ein bisschen Tröpfeln nach der Geburt sei eben normal und du müsstest damit leben, dann glaub das nicht. Sprich offen darüber, mit deiner Hebamme, deiner Frauenärztin oder in einem guten Kurs. Scham ist hier fehl am Platz, dein Beckenboden ist ein Muskel wie jeder andere und lässt sich trainieren.
Woran erkenne ich eine Beckenbodenschwäche?
Diese Anzeichen können dafür sprechen. Wenn dich das betrifft, ist das ein guter Grund für gezieltes Training oder ein Gespräch mit deiner Ärztin.
Mögliche Anzeichen
- Urinverlust beim Husten, Lachen, Niesen oder Springen
- Ein Schwere- oder Druckgefühl im Becken
- Das Gefühl, als würde etwas nach unten drücken
- Rückenschmerzen ohne andere klare Ursache
Ab hier zur Ärztin
- Die Beschwerden werden stärker statt besser
- Du verlierst auch ohne Anstrengung Urin
- Du spürst eine deutliche Vorwölbung im Scheidenbereich
- Die Beschwerden belasten dich sehr
Worauf solltest du beim Training achten?
Beckenbodentraining ist mehr als nur Anspannen und Entspannen. Diese Punkte machen den Unterschied.
- Die richtige Technik zählt. Falsch ausgeführt bringt Training wenig. Lass dir die Übungen zu Beginn zeigen und anleiten.
- Atmung gehört dazu. Beckenboden und Zwerchfell arbeiten zusammen, deshalb ist bewusstes Atmen Teil eines guten Trainings.
- Steigere dich in Stufen. Schweres Heben, Springen oder intensives Bauchmuskeltraining kommen erst, wenn dein Beckenboden wieder stabil ist.
- Bleib dran. Wie bei jedem Muskel zeigt sich der Erfolg erst durch regelmäßiges Training über einen längeren Zeitraum.
- Alltag mitdenken. Gute Körperhaltung, richtiges Heben und Tragen unterstützen dein Training zusätzlich.
Welche Beckenbodenkurse gibt es bei buggyFit®?
Ob frisch nach der Geburt oder Jahre später: Unsere Kurse sind für alle offen, die ihren Beckenboden stärken möchten.
Mein Beckenbodenworkout
Rückbildungskurs und effektives Beckenbodentraining in einem, in Präsenz an vielen Standorten.
- Angeleitet mit der richtigen Technik
- Auch für Nicht-Mamas und länger zurückliegende Geburten
- Austausch mit anderen Frauen vor Ort
Online-Rückbildungskurs
Acht Wochen begleitetes Beckenbodentraining als Videokurs, wann und wo du willst.
- Expertenwissen, Workouts und Alltagstipps
- Baust Kondition auf und stärkst deinen Beckenboden
- Jederzeit startbar
Häufige Fragen zum Beckenbodentraining
Ist Urinverlust nach der Geburt normal?
Er ist häufig, aber das heißt nicht, dass du damit leben musst. Rund jede dritte Frau hat nach einer vaginalen Geburt eine Blasenschwäche. Mit gezieltem Beckenbodentraining lässt sich das in vielen Fällen deutlich verbessern oder ganz beheben.
Woran erkenne ich eine Beckenbodenschwäche?
Typische Anzeichen sind Urinverlust beim Husten, Lachen, Niesen oder Springen, ein Schwere- oder Druckgefühl im Becken, das Gefühl, als würde etwas nach unten drücken, und manchmal auch Rückenschmerzen.
Ab wann sollte ich mit dem Beckenbodentraining beginnen?
Am besten schon in einem Rückbildungskurs, der meist ab der sechsten Woche nach der Geburt beginnt. Danach machst du am besten mit einem Kurs weiter, der gezielt auf den Beckenboden eingeht.
Sind Beckenbodenkurse nur etwas für frischgebackene Mamas?
Nein. Auch Frauen, deren Geburt schon länger zurückliegt, und Frauen ohne Kinder profitieren von einem starken Beckenboden. Ein guter Kurs ist für alle offen.
Reicht Beckenbodentraining allein, oder brauche ich noch etwas anderes?
Beckenbodentraining ist die wichtige Basis. Danach macht ein Aufbautraining Sinn, das auf den Rest deines Körpers eingeht. So bist du in Beckenboden und Körpermitte gleichermaßen gut aufgestellt.
Was, wenn Übungen allein nicht helfen?
Sprich mit deiner Frauenärztin oder einer spezialisierten Physiotherapeutin. Es gibt weitere Möglichkeiten, die über das Training hinausgehen, und niemand muss das allein herausfinden.
Wie finde ich einen guten Beckenbodenkurs?
Achte auf eine Kursleiterin, die gezielt für Beckenboden und Rückbildung ausgebildet ist. Bei buggyFit® gibt es sowohl Präsenzkurse als auch einen Online-Videokurs, den du jederzeit beginnen kannst.
Quellen
- Woodley et al. 2020, Cochrane Database of Systematic Reviews: Pelvic floor muscle training for preventing and treating urinary and faecal incontinence in antenatal and postnatal women
- Praxiswissen: buggyFit®-Kurskonzept „Mein Beckenbodenworkout“
Über die Autorin
Jana Wetterau-Kliebisch ist Physiotherapeutin und Gründerin von buggyFit®. Dieser Ratgeber beruht auf aktuellem Wissen und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Aktualisiert im September 2026.