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Senkung nach der Geburt: Was dieses Schweregefühl bedeutet

Trainerin korrigiert die Haltung bei einer Übung im Vierfüßlerstand

Senkung nach der Geburt: Was dieses Schweregefühl bedeutet

Kurz gesagt: Eine Senkung nach der Geburt fühlt sich meistens an wie Druck oder Schwere nach unten — abends stärker als morgens. Sie ist viel häufiger, als die meisten Mamas ahnen, und fast immer nur leicht ausgeprägt. Im ersten Jahr bessert sich bei vielen Frauen einiges von selbst, und gezieltes Beckenbodentraining lindert die Beschwerden nachweislich. Was es braucht: Zeit, einen ruhigen Belastungsaufbau — und einmal eine Untersuchung, damit du nicht monatelang rätst.

Was ist eine Senkung nach der Geburt überhaupt?

Dein Beckenboden ist eine Muskelplatte, die dein Becken nach unten abschließt. Blase, Gebärmutter und Enddarm liegen darauf wie in einer Hängematte. Eine Senkung nach der Geburt heißt schlicht: Dieses Gewebe trägt gerade weniger, die Organe sitzen tiefer als vorher.

Je nachdem, was absinkt, sprechen Fachleute von Scheidensenkung oder Gebärmuttersenkung, zusammengefasst als Descensus genitalis. Dass es dazu kommt, ist keine Überraschung: Neun Monate Schwangerschaft dehnen dieses Gewebe, die Geburt tut ihr Übriges. Seit 2026 gibt es dazu eine gemeinsame S3-Leitlinie der Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (AWMF-Nummer 015-006).

Wichtig für dein Kopfkino: Da ist nichts gerissen und nichts kaputt. Das Gewebe ist weicher und nachgiebiger, als es war.

Wie merke ich, dass sich etwas gesenkt hat?

Das häufigste Zeichen ist ein Ziehen oder Schweregefühl nach unten, manchmal ein Fremdkörpergefühl — als säße etwas im Weg. Typisch: Nach langem Stehen, am Ende eines Tages oder nach dem Tragen wird es schlimmer, im Liegen verschwindet es fast. Woran Mamas es außerdem bemerken:

  • Druck oder Schwere im Unterleib, abends deutlicher als morgens
  • Das Gefühl, die Blase nicht richtig leer zu bekommen
  • Stuhlgang, der nur mit Nachhelfen funktioniert
  • Etwas Weiches, das am Scheideneingang zu tasten oder zu sehen ist
  • Ein dumpfes Ziehen im Kreuz, anders als normaler Muskelkater

Ehrlich bleiben muss man bei einem Punkt: Befund und Beschwerden passen oft nicht zusammen. Es gibt Frauen mit sichtbarer Senkung, die nichts spüren — und Frauen mit minimalem Befund, die sich jeden Abend elend fühlen. Dein Empfinden ist kein Messfehler.

Ist eine leichte Senkung normal?

Leicht ja, und zwar erstaunlich oft. Eine Auswertung aus Südwestchina mit 8.565 Frauen nach der Geburt (Geburten von 2019 bis 2025) fand bei rund 73 Prozent irgendeine Form von Senkung — ganz überwiegend im mildesten Stadium I.

Diese Zahl klingt dramatischer, als sie ist, weil sie jede noch so kleine Abweichung mitzählt. Mit strengerem Maßstab fand sich eine deutlichere Senkung ab Stadium II sechs Wochen nach der Geburt bei etwa 9 Prozent der Frauen. Über das ganze Leben gerechnet entwickelt rund die Hälfte aller Frauen eine leichte Beckenbodenschwäche, meist ohne nennenswerte Beschwerden — etwa 5 Prozent haben eine Senkung, die wirklich belastet, etwa 3 Prozent eine mit massiven Beschwerden.

Übersetzt: Ein bisschen Nachgeben ist nach einer Geburt der Normalfall. Richtig behandlungsbedürftig wird es bei einem kleinen Teil.

„Du bist nicht allein — hier findest du dich wieder.“

Geht eine Senkung von allein wieder weg?

Bei vielen Frauen bessert sich im ersten Jahr tatsächlich einiges von selbst. Das ist keine Beschwichtigung, sondern messbar: In Längsschnittstudien sacken die Messpunkte direkt nach der Geburt nach unten und wandern ab etwa sechs Wochen wieder nach oben. Zwölf Monate nach einer vaginalen Geburt hatten in einer dieser Untersuchungen alle Messpunkte bis auf den Gebärmutterhals ihren Ausgangswert wieder erreicht, und auch die Beschwerden wurden über das Jahr weniger.

Die ehrliche Einschränkung: Das gilt nicht für jede Frau. Manche behalten Beschwerden, und das ist kein persönliches Versagen. Trotzdem — beurteile deinen Körper nicht nach Woche acht. Das erste Jahr ist Erholungszeit.

Was hilft wirklich — und was bringt nichts?

Am besten belegt ist angeleitetes Beckenbodentraining. In der POPPY-Studie im Fachblatt The Lancet wurden 447 Frauen mit Senkungsbeschwerden verglichen: Die eine Gruppe bekam fünf Einzeltermine über 16 Wochen bei einer Therapeutin, die andere nur ein Informationsblatt. Nach zwölf Monaten hatte die Trainingsgruppe deutlich weniger Beschwerden. Eine zweite große Studie fand den Effekt auch nach zwei Jahren, eine Zusammenschau von 16 Studien ebenfalls.

Jetzt der unbequeme Teil, der in den meisten Artikeln fehlt: Direkt nach der ersten Geburt ist Training kein Zauberknopf. Eine norwegische Studie mit 175 Erstgebärenden ließ eine Gruppe intensiv trainieren — beim Senkungsgrad und beim Druckgefühl zeigte sich kein Unterschied zur Kontrollgruppe. Training lohnt sich, aber es repariert in den ersten Monaten nicht alles. Wenn du trainierst und trotzdem etwas spürst, machst du nichts falsch.

Was im Alltag zusätzlich spürbar entlastet:

  • Bei Anstrengung ausatmen statt Luft anhalten und pressen
  • Auf der Toilette nicht drücken — und etwas gegen harten Stuhlgang tun
  • Das Baby nah am Körper hochnehmen statt mit langen Armen
  • Lange Stehzeiten unterbrechen und zwischendurch hinlegen
  • Bei anhaltenden Beschwerden: ein Pessar — ein kleiner Ring oder Würfel, der von innen stützt, in der Praxis angepasst wird und in der Leitlinie als konservative Möglichkeit steht

Was nichts bringt: fester kneifen, mehr Wiederholungen, Panik. Ein Beckenboden, der ständig angespannt ist, wird nicht stärker — nur müde.

Darf ich mit einer Senkung Sport machen?

In den allermeisten Fällen ja. Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell.

Die Datenlage ist weniger streng, als viele denken. Es gibt keine Studien, die zeigen, dass Laufen eine Senkung verschlimmert — nachweisbar ist nur eine vorübergehende Ermüdung der Muskulatur. Eine Literaturübersicht von 2023 fand bei Sportlerinnen, die schwer heben, etwa gleich viele Senkungen wie in der übrigen Bevölkerung. Entscheidend ist, wie der Druck im Bauchraum gesteuert wird, nicht die Sportart.

Gleichzeitig gilt: Laufen, Springen und schweres Heben können sich an dem Tag stärker anfühlen. Das ist eine Rückmeldung, kein Schaden.

Ein bewährter Aufbau: zuerst in Rückenlage und im Vierfüßlerstand üben, wo kaum Druck nach unten wirkt. Dann im Stehen, dann zügiges Gehen und Kraftübungen mit wenig Gewicht. Erst zum Schluss alles, wo beide Füße den Boden verlassen. Dein Maßstab: Wie fühlt es sich währenddessen an — und wie am Abend danach? Wird das Schweregefühl deutlich stärker, war der Schritt zu groß.

Mehr zum ruhigen Wiedereinstieg findest du bei Beckenboden nach der Geburt, Sport nach Kaiserschnitt und Sport nach Dammriss.

Wann sollte ich damit zur Ärztin oder Hebamme?

Eine Senkung ist kein Notfall. Aber sie gehört einmal angeschaut. Am einfachsten sprichst du sie bei der Nachuntersuchung an — ist die vorbei, mach einen eigenen Termin.

Lass zeitnah nachsehen, wenn:

  • du etwas am Scheideneingang tasten oder sehen kannst
  • Blase oder Darm sich nicht richtig entleeren lassen
  • Blasenentzündungen immer wiederkommen
  • es blutet oder eine wunde Stelle entsteht
  • Sex schmerzt
  • die Beschwerden über Monate stärker statt weniger werden

Eine Physiotherapeutin mit Schwerpunkt Beckenboden ist oft die wichtigste Adresse — sie prüft nicht nur, ob etwas tiefer steht, sondern auch, ob dein Beckenboden im richtigen Moment arbeitet. Mehr dazu im Beitrag zum Rückbildungskurs und zu Blasenschwäche nach der Geburt.

Wo du mit anderen Mamas trainieren kannst

Zu Hause zwischen Wäschebergen trainiert sich der Beckenboden selten von allein. In einem Kurs läuft es anders: feste Zeit, jemand schaut hin, Baby ist dabei. buggyFit gibt es seit 2009. Einen Kurs in deiner Nähe findest du unter buggyfit.de/standorte, bei den meisten Gebietsleiterinnen kannst du erst einmal eine Probestunde mitmachen. Warum Training in der Gruppe eher hält, steht hier: Sport nach der Geburt durchhalten.

Häufige Fragen zur Senkung nach der Geburt

Kann eine Senkung von allein wieder verschwinden?

Leichte Senkungen bessern sich im ersten Jahr häufig deutlich. Zwölf Monate nach einer vaginalen Geburt hatten in Untersuchungen fast alle Messpunkte ihren Ausgangswert wieder erreicht. Garantiert ist es nicht — aber die Richtung stimmt meistens.

Was erhöht das Risiko für eine Senkung?

Beschrieben sind unter anderem ein Geburtsgewicht über 4.000 Gramm, eine Geburt mit Zange oder Saugglocke, eine lange Austreibungsphase, mehrere Geburten und höheres Alter. Ändern lässt sich daran nichts — es erklärt nur, warum es dich getroffen hat und deine Freundin nicht.

Muss eine Senkung operiert werden?

In den meisten Fällen nicht. Zuerst kommen die konservativen Wege: Beckenbodentraining, Anpassungen im Alltag, bei Bedarf ein Pessar. Eine Operation ist eine Entscheidung für ausgeprägte Beschwerden — und nichts, was im ersten Jahr nach der Geburt nebenbei entschieden wird.

Darf ich mein Kind noch hochheben?

Ja. Es gibt keinen Beleg dafür, dass du nie wieder etwas Schweres heben darfst — und ein Leben ohne Kind-Hochnehmen ist ohnehin keins. Achte auf die Atmung: beim Anheben ausatmen, nicht die Luft anhalten, das Kind nah am Körper führen.

Kann ich mit einer Senkung wieder joggen?

Für viele Frauen ja, wenn der Aufbau stimmt und das Schweregefühl dabei nicht deutlich zunimmt. Besprich den Zeitpunkt mit deiner Hebamme, Ärztin oder Physiotherapeutin und baue vorher Kraft auf, statt mit langen Strecken zu starten.

Über die Autorin

Jana Wetterau-Kliebisch ist Physiotherapeutin und Gründerin von buggyFit, das sie 2009 in München gestartet hat. Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung: Was bei dir los ist, klärst du mit deiner Hebamme, deiner Ärztin oder einer Physiotherapeutin für Beckenboden.