Kurz gesagt: Outdoor Kurse im Winter verlieren fast immer Teilnehmerinnen – das ist normal und kein Zeichen dafür, dass du etwas falsch machst. Bei buggyFit sind es seit 2009 verlässlich vier bis fünf schwächere Monate im Jahr. Fachlich spricht nichts gegen Training bei Kälte, solange ihr moderat bleibt und auf Wind und Nässe achtet. Den Unterschied macht nicht das Wetter, sondern ob deine Gruppe sich als Gruppe erlebt – und ob du den Winter planst, statt ihn zu erleiden.
Warum brechen Outdoor Kurse im Winter ein – und wie schlimm ist das wirklich?
Weil die Hürde steigt, nicht weil das Interesse sinkt. Im Sommer ist der Kurs ein Ausflug, im Januar eine Entscheidung gegen das Sofa. Dazu kommen Infekte, kurze Tage und ein zähnendes Baby.
In der deutschen Fitnessbranche läuft die Saison genau andersherum: Studios melden ihr Sommerloch von Juni bis August und ab September wieder steigende Besuchszahlen – auch deshalb, weil Outdoor-Sport dann weniger attraktiv wird. Der bekannte Neujahrs-Effekt hält in Branchenberichten meist nur vier bis acht Wochen.
Anders gesagt: Dein Kursformat hat seine Schwächephase, wenn andere ihre Hochphase haben. Das ist unbequem, aber planbar – und planbar ist besser als überraschend. Wer mit einem eigenen Kurs startet, sollte diese Monate von Anfang an mitrechnen, genauso wie die laufenden Kosten beim Start.
Ist Training bei Kälte überhaupt gesund?
Ja, für gesunde Erwachsene spricht fachlich nichts dagegen. Kälte allein macht niemanden krank – Erkältungen kommen von Viren. Aber Kälte ist ein Komplize, und das solltest du kennen, statt es wegzulächeln.
Eine Arbeit der Harvard Medical School (2022, Journal of Allergy and Clinical Immunology) hat gezeigt: Sinkt die Temperatur in der Nase um etwa 5 Grad, sinkt auch die Zahl der Abwehrbläschen in der Nasenschleimhaut – und die verbliebenen arbeiten schlechter gegen Viren. Der größere Treiber der Erkältungssaison ist aber ein anderer: Im Winter sitzen alle dichter zusammen in schlecht gelüfteten Räumen. Genau das ist ein Argument für draußen, nicht dagegen.
Wer regelmäßig moderat Sport treibt, ist in Erkältungsstudien zudem seltener und kürzer krank. Ehrlich dazugesagt: Das ist ein Effekt von Regelmäßigkeit, kein Beweis dafür, dass ausgerechnet der Kurs im Schnee vor Infekten schützt. Umgekehrt können sehr intensive Einheiten über 90 Minuten die Abwehr vorübergehend schwächen. Für den Winter heißt das: moderat statt Bolzplatz.
Wie kalt ist zu kalt für draußen?
Es gibt keine feste Gradzahl, ab der du absagen musst. Das American College of Sports Medicine hat sein Positionspapier von 2006 durch ein Expertenpapier von 2021 ersetzt – darin steht kein starrer Grenzwert, sondern eine Kombination aus Windchill, Nässe und Dauer.
Praktisch entscheidest du an vier Punkten:
- Wind vor Temperatur. Minus zwei Grad bei Windstille sind harmloser als plus zwei bei scharfem Wind.
- Nass schlägt kalt. Durchnässte Kleidung kühlt rasant aus. Dauerregen ist der ehrlichere Absagegrund als Frost.
- Untergrund. Blitzeis mit Buggy ist keine Mutprobe. Bei Glatteis wird verlegt, nicht diskutiert.
- Die Babys zuerst. Sie bewegen sich nicht mit und kühlen schneller aus als die Mamas. Was dabei wirklich zählt, kannst du deinen Teilnehmerinnen direkt weitergeben: Zu kalt für dein Baby?
Und ein Punkt, der im Winter untergeht: Zwischen Oktober und März steht die Sonne bei uns zu tief für die körpereigene Vitamin-D-Bildung. Dein Kurs löst das nicht – aber er bringt Frauen an Tageslicht, die sonst zwischen Wohnung und Wickeltisch bleiben.
„Mamas, die trotzdem trainieren, sind auf einem ganz anderen Level.“ – Jana Wetterau-Kliebisch
Was hält deine Teilnehmerinnen über den Winter bei der Stange?
Die Gruppe. Nicht der Trainingsplan, nicht das Wetter, nicht der gute Vorsatz. Und das ist erfreulich gut belegt.
Eine Kohortenstudie mit 587 Teilnehmenden in betreutem Kleingruppen-Training (2018 bis 2024) fand eine mittlere Verweildauer von 13 Monaten – in herkömmlichen Studios werden meist drei bis sechs Monate berichtet. Eine Metaanalyse zeigt in dieselbe Richtung: Eine echte Gruppe schlägt den anonymen Kurs und das Training zu Hause deutlich, gemessen an Anwesenheit und Abbrüchen. Einschränkung, die dazugehört: Die Kohorte stammt aus Brasilien und bestand nicht aus Mamas.
Ein Befund aus derselben Studie ist für dich besonders brauchbar: Wer vor allem wegen des Gewichts kam, stieg am frühesten wieder aus. Wer wegen Körpergefühl, Kraft und Anschluss kam, blieb. Im Winter trägt deshalb nicht die Aussicht auf einen schnellen Körper-Effekt, sondern Zugehörigkeit.
Was das konkret heißt:
- Feste Termine durchziehen, auch bei drei Anmeldungen. Ein Kurs, der bei schlechtem Wetter mal ausfällt und mal nicht, verliert seinen Platz im Wochenplan.
- Eine WhatsApp-Gruppe führen – für Wetterinfos, aber vor allem, damit die Frauen sich zwischen den Stunden sehen.
- Eine Winter-Challenge starten. Ein gemeinsames Ziel über 6 bis 8 Wochen trägt genau durch die Monate, in denen sonst die Luft raus ist.
- Namen benutzen. Wer gefragt wird, wo sie letzte Woche war, kommt wieder. Wer nicht vermisst wird, nicht.
Was tust du, wenn draußen wirklich nichts mehr geht?
Du brauchst einen Plan B, der vorher feststeht – nicht einen, den du morgens um sieben improvisierst. Bewährt haben sich drei Wege: ein fester Ausweichraum (Pfarrheim, Vereinsheim, Tanzschule, Physiopraxis), ein Indoor-Format wie Pilates- oder Beckenboden-Einheiten, und ein digitales Angebot für die Woche, in der wirklich alles zu ist.
Entscheidend ist der Zeitpunkt: Plan B wird im Oktober angekündigt, nicht im Januar entschuldigt. „Wir trainieren durch, und bei Eis sind wir drinnen“ klingt im Herbst souverän – im Januar klingt derselbe Satz nach Notlösung.
Wie planst du deine Einnahmen über die kalten Monate?
Indem du die Schwächephase einpreist, statt sie wegzuhoffen. Der häufigste Fehler: den Sommerumsatz für den Normalzustand zu halten.
- Karten statt Einzelstunden. Eine Zehnerkarte, die im November gekauft wird, zieht im Januar. Einzelbuchungen tun das nie.
- Geschlossene Kurse mit festem Start- und Endtermin sind planbar, weil vorab gebucht und bezahlt wird – das gilt besonders für Präventionskurse, bei denen die Krankenkasse einen Teil erstattet.
- Kooperationen mit Firmenfitness-Anbietern bringen Teilnehmerinnen, die ohnehin zahlen und deshalb auch im Winter kommen.
- Neue Gruppen im Herbst aufbauen, nicht im Frühjahr. Wer im September anfängt zu werben, hat im Januar eine Gruppe. Wie das konkret geht, steht hier: Kursteilnehmerinnen gewinnen.
Wer bei buggyFit als Gebietsleiterin startet, bekommt für genau diese Phase fertiges Material: Winter-Challenge mit Trainingsplan, Werbetexten und Grafiken, dazu Strategie-Calls und den Austausch mit Kolleginnen, die denselben Winter schon fünfmal hinter sich haben. Was ein eigenes Gebiet dabei bedeutet, steht im Beitrag zum Gebietsschutz beim Franchise.
Häufige Fragen zu Outdoor-Kursen im Winter
Ab wie viel Grad sollte ich den Kurs absagen?
Es gibt keine offizielle Gradzahl. Entscheide nach Windchill, Nässe und Untergrund. Glatteis ist ein klares Nein, Dauerregen meist auch – trockene Minusgrade bei Windstille sind dagegen gut machbar.
Werden meine Teilnehmerinnen im Winter häufiger krank?
Dafür gibt es keinen Beleg. Regelmäßige moderate Bewegung ist in Studien eher mit weniger und kürzeren Erkältungen verbunden. Bei Infekt mit Fieber wird trotzdem pausiert.
Wie lange sollte eine Wintereinheit dauern?
Kürzer und dichter als im Sommer: 45 bis 60 Minuten ohne lange Stehpausen halten alle warm. Sehr lange, sehr intensive Einheiten sind im Winter der falsche Weg.
Lohnt sich ein Kurs mit nur fünf Teilnehmerinnen?
Kurzfristig selten, langfristig fast immer. Die fünf, die im Februar kommen, sind dein Kern – sie bringen im Frühjahr die anderen mit. Ein Kurs, der über den Winter pausiert, startet im März bei null.
Kann ich buggyFit nebenberuflich betreiben, wenn der Winter schwächer ist?
Ja, genau dafür ist der Einstieg mit einem Kurs pro Woche gedacht. Viele Gebietsleiterinnen starten neben Teilzeit oder Elternzeit und bauen erst dann aus, wenn die Gruppen stehen.
Du überlegst, selbst Kurse anzubieten?
Dann ist der Winter kein Grund abzuwarten, sondern ein Grund, ehrlich zu rechnen. Jana sagt das in Gesprächen so: „Du startest klein – und vor allen Dingen mit einem Sicherheitsnetz. Du kannst mit einem Kurs in der Woche starten, nebenbei zum alten Job, so lange du willst. Das kannst du für dich selber bestimmen.“
Seit 2009 hat sie über 250 Frauen begleitet, ihr eigenes Business aufzubauen – Winter inklusive. Wie der Weg konkret aussieht, steht hier: Als Trainerin starten. In der Online-Info-Session kannst du unverbindlich und kostenlos alles fragen. Wer aus einem anderen Beruf kommt, findet hier den ehrlichen Überblick: Groupfitness Trainerin werden.
Über die Autorin
Jana Wetterau-Kliebisch ist Physiotherapeutin und Gründerin von buggyFit. 2009 startete sie im Englischen Garten in München mit drei Frauen – heute gibt es buggyFit-Kurse in ganz Deutschland und Österreich. Über 250 Frauen hat sie seitdem begleitet, sich mit eigenen Kursen selbstständig zu machen. Gesundheitliche Fragen deiner Teilnehmerinnen gehören immer zur Hebamme, Ärztin oder Physiotherapeutin – als Trainerin bist du für sicheres Training zuständig, nicht für Diagnosen.
