Kurz gesagt: Eine Doula ist eine erfahrene Geburtsbegleiterin, die dich von der Schwangerschaft bis ins Wochenbett rein emotional und praktisch begleitet – ohne medizinische Aufgaben. Sie ergänzt die Hebamme, ersetzt sie aber nicht: Die Hebamme übernimmt die medizinische Betreuung, die Doula ist durchgehend an deiner Seite, auch wenn im Kreißsaal die Schicht wechselt. Studien zeigen, dass eine solche 1:1-Begleitung Geburten oft entspannter macht und das Risiko traumatischer Geburtserlebnisse senkt. Der Rundum-Service kostet meist zwischen 600 und 1.000 Euro, abhängig von Region und Doula.
Was ist eine Doula und was macht sie bei der Geburt?
Das Wort „Doula“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „Dienerin der Frau“. Eine Doula begleitet dich als vertraute, immer erreichbare Person durch Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit danach – mit dem einzigen Auftrag, für dein Wohlergehen zu sorgen.
„Es ist Juli, eine laue Sommernacht. Gerade habe ich den Anruf eines werdenden Vaters erhalten, dem ich schon seit Tagen entgegengefiebert habe: ‚Es geht los, kannst du bitte kommen?‘ Da die Entbindungsklinik ganz in meiner Nähe liegt, schwinge ich mich mit meiner Doula-Tasche auf mein Fahrrad und stehe 20 Minuten später neben der Geburtswanne, in der die werdende Mama die ersten Wehen noch gut veratmet. Sie macht kurz die Augen auf, lächelt und sagt: ‚Gut, dass du da bist. Jetzt kann ich mich voll und ganz entspannen.‘ In den nächsten Stunden erleben wir alle zusammen, einschließlich der wunderbaren Hebamme, eine kraftvolle, selbstbestimmte und sanfte Geburt, ohne medizinische Eingriffe oder die Gabe von Schmerzmitteln. Wenn mich am Ende die Mama anstrahlt und aus tiefstem Herzen sagt: ‚Ohne dich hätte ich das niemals geschafft!‘, dann weiß ich einmal mehr, wie sinn- und wertvoll meine Arbeit als Doula ist.“
So beschreibt die Doula Anke Wosu einen typischen Einsatz. Diese Frau fühlte sich rundum getragen und gestützt – das hat ihr geholfen, sich voll und ganz für ihr Kind zu öffnen, zwischen den Wehen zu entspannen und neue Kraft zu tanken. Denn „es ist nicht egal, wie wir geboren werden“ (Michel Odent, Geburtsmediziner) – und auch nicht, wie wir gebären. Viele Frauen leiden noch Jahre später unter den Folgen traumatischer Geburtserlebnisse. Eine 1:1-Betreuung durch eine erfahrene Doula kann nachweislich solche Folgen verhindern, selbst wenn eine Geburt nicht so verläuft, wie gehofft.
Ausbildung, Mindestalter, eigene Geburtserfahrung oder die Zugehörigkeit zu einem Verein sind keine Voraussetzung – es gibt auch „freie“ Doulas, die unabhängig arbeiten. Eine gute Doula bildet sich trotzdem regelmäßig fort und ist meist mindestens 25 Jahre alt. Vereine wie „Doulas in Deutschland“ haben eigene Ethikkodizes, an die sich jedes Mitglied hält, damit ein gewisser Qualitätsstandard gesichert ist.
Was ist der Unterschied zwischen einer Doula und einer Hebamme?
Eine Hebamme trägt die medizinische Verantwortung für Mutter und Kind, eine Doula die emotionale und praktische Begleitung – zusammen ergänzen sie sich, damit du eine selbstbestimmte, zuversichtliche und möglichst natürliche Geburt erlebst. Konkret:
Die Hebamme
- hat weitgehende medizinische Befugnisse
- unterliegt in der Klinik den Leitlinien der jeweiligen Einrichtung
- wird von der Krankenkasse bezahlt
- darf Geburten – z. B. Hausgeburten – selbstständig ohne Anwesenheit einer Ärztin begleiten
- führt Schwangerenvorsorge und Wochenbettbetreuung durch
- trägt eine sehr hohe Verantwortung und zahlt dafür entsprechend hohe Versicherungskosten
Die Doula
- führt keinerlei medizinische Untersuchungen oder Anwendungen durch
- unterliegt nicht den Leitlinien der Klinik, verhält sich aber respektvoll und zurückhaltend gegenüber dem Geburtsteam
- bietet eine Privatleistung, die nicht von der Krankenkasse übernommen wird
- begleitet – sofern sie den Ethikkodex von „Doulas in Deutschland“ unterschrieben hat – keine Alleingeburten
- unterstützt vor allem emotional, informiert, klärt auf und handelt immer in deinem Sinne
Zu Zeiten überwiegender Hausgeburten war es selbstverständlich, dass der Gebärenden eine oder mehrere vertraute Frauen zur Seite standen. Heute betreut eine Hebamme in der Klinik oft mehrere Geburten gleichzeitig, und durch Schichtwechsel wechselt manchmal auch das Gesicht im Kreißsaal. Mit einer Doula hast du von Anfang bis Ende eine vertraute Person an deiner Seite, die durchgehend für dich da ist.
Wie läuft eine Begleitung durch eine Doula ab – von der Schwangerschaft bis zum Wochenbett?
Deine Doula bereitet dich und deinen Partner in den Wochen vor der Geburt vor: Sie klärt auf, informiert und erstellt mit dir eine Geburtswunschliste für die Klinik. Unter der Geburt ist sie ab dem Moment durchgehend bei dir, ab dem du es wünschst – bis einige Zeit nach der Geburt bleibt sie in Rufbereitschaft.
Sie sorgt für eine angenehme Atmosphäre im Geburtsraum, macht dir Mut, atmet mit dir, läuft mit dir herum, massiert dich und probiert mit dir die angenehmste Haltung aus. Sie achtet darauf, dass du ausreichend trinkst, trocknet Tränen und stärkt auch den werdenden Vater. Gleichzeitig gibt sie dir und deinem Partner genug Raum für Intimität und zieht sich zurück, wenn du deine Ruhe möchtest.
Verläuft die Geburt nicht so, wie du es dir erträumt hast, hilft dir deine Doula, damit umzugehen – auch eine Bauchgeburt kann in guter Erinnerung bleiben, wenn du dabei gut begleitet wirst. Sie sorgt dafür, dass das wichtige Bonding durch körperliche Nähe stattfindet, egal wie die Geburt verläuft.
Nach der Geburt kommt deine Doula zu dir nach Hause, schaut, ob es dir und dem Baby gut geht, und lässt mit dir die Geburtsreise noch einmal Revue passieren. Zur Erinnerung überreicht sie dir meist einen gestalteten Geburtsbericht. Das Wochenbett dauert klassischerweise 6 bis 8 Wochen – in dieser Zeit ist deine Doula bei Bedarf weiter für dich da: Sie hilft dir, wieder zu Kräften zu kommen, bei Unsicherheiten mit dem Baby und übernimmt auch mal kleinere Aufgaben im Haushalt. Manche Doulas organisieren zusätzlich Rituale wie Blessingway-Feiern oder Closing-Zeremonien – solche Zusatzleistungen werden meist gesondert berechnet.
Wann du selbst wieder aktiv einsteigen möchtest – ob mit sanfter Bewegung im Wochenbett oder etwas später – entscheidest du gemeinsam mit deiner Hebamme oder Ärztin. Auch dein Beckenboden sollte dabei im Blick bleiben.
Was kostet eine Doula – und wie kann ich sie mir leisten?
Der Rundum-Service einer Doula kostet meist zwischen 600 und 1.000 Euro; jede Geburtsbegleiterin legt ihre Preise selbst fest, unter anderem abhängig von der Region. Das liegt daran, dass eine Doula über Wochen für dich in Rufbereitschaft ist, nachts oberflächlicher schläft, je näher der Termin rückt, und bei dir bleibt, egal wie lange die Geburt dauert – auch 30 Stunden und mehr sind möglich. Dazu kommen Fahrt- und Materialkosten sowie Zeit für Dokumentation und Geburtsbericht.
Kannst du dir die Begleitung nicht ohne Weiteres leisten, sprich offen mit deiner Doula: Ratenzahlungen sind in den meisten Fällen möglich, und bei „Doulas in Deutschland“ (DiD) kann über eine zertifizierte Geburtsbegleiterin ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden. Ein Zuschuss von Freunden oder Familie statt der zwanzigsten Strampelhose ist ebenfalls eine beliebte Lösung.
Wo finde ich eine Doula in meiner Nähe?
Über folgende Portale findest du zertifizierte Doulas in deiner Region: doulas-in-deutschland.de, gfg-bv.de und doula-info.de.
Ein Hinweis zur Gesundheit: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung. Fragen zu deiner Schwangerschaft, Geburt oder Rückbildung besprichst du am besten direkt mit deiner Hebamme, Ärztin oder Physiotherapeutin.
Häufige Fragen zur Doula
Ist eine Doula das Gleiche wie eine Hebamme?
Nein. Die Hebamme übernimmt die medizinische Betreuung und wird von der Krankenkasse bezahlt, die Doula begleitet dich rein emotional und praktisch als Privatleistung.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Doula?
Nein, eine Doula ist eine Privatleistung. Über „Doulas in Deutschland“ lässt sich in manchen Fällen ein Antrag auf Kostenübernahme oder Zuschuss stellen.
Ab wann sollte ich eine Doula kontaktieren?
Am besten schon während der Schwangerschaft, damit genug Zeit für Kennenlerngespräche bleibt. Rufbereitschaft besteht üblicherweise 10 bis 21 Tage (rund 1,5 bis 3 Wochen) vor dem errechneten Termin.
Kann eine Doula auch bei einem Kaiserschnitt helfen?
Ja. Auch eine Bauchgeburt kann in guter Erinnerung bleiben, wenn du dabei einfühlsam begleitet wirst – die Doula unterstützt vor, während und nach dem Eingriff emotional.
Was passiert, wenn die Geburt anders verläuft als geplant?
Die Doula bleibt an deiner Seite und hilft dir, mit der Situation umzugehen. Sie sorgt in jeder Situation dafür, dass Bonding durch körperliche Nähe stattfinden kann.
Ersetzt eine Doula meinen Partner bei der Geburt?
Nein. Sie ergänzt euch beide, gibt euch Raum für Intimität und zieht sich zurück, sobald ihr eure Ruhe möchtet – und stärkt nebenbei auch den werdenden Vater.
Über diesen Beitrag
Dieser Erfahrungsbericht stammt von Anke Wosu, HP-Psychotherapie und Doula – Geburtsbegleitung, www.anke-wosu.de. Herzlichen Dank für den Einblick in ihre Arbeit.
Über buggyFit: Gegründet 2009 von der Physiotherapeutin Jana Wetterau-Kliebisch, begleitet buggyFit Mamas mit Bewegungskursen durch Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach – und Frauen wie Anke Wosu teilen hier ihr Fachwissen rund um dieses Thema.
Fotocredit: Rebozo-Foto von Inken Arntzen, Gebärmütter; Fotos: Eila Lifflander, Family Photographer.