20210225_113311_0000

Tabuthema Blasenschwäche nach Geburt

Die weibliche Harninkontinenz galt lange als Problem des Alters. Doch auch nach Schwangerschaft und Geburt leiden viele junge Frauen darunter. Dennoch sprechen ältere wie jüngere Frauen selten ihre Hebamme oder Ärztin darauf an. Das liegt vermutlich daran, dass es ein sehr schambehaftetes Thema ist. Manche Frauen meinen aber vielleicht auch, es sei eben „normal“, nach der Geburt ein paar Tröpfchen Urin zu verlieren. Dabei leidet etwa ein Drittel nach einer vaginalen Entbindung unter unkontrolliertem Harnverlust, wie der Medizinreport „Schwangerschaft und Entbindung: Harninkontinenz nach der Geburt“ im Deutschen Ärzteblatt 2020, berichtet. Etwa die Hälfte der Fälle leidet an einer Belastungsinkontinenz, seltener liegt eine Dranginkontinenz oder eine Mischform vor.

Inkontinenzformen:

Bei einer Belastungsinkontinenz kommt es zu unfreiwilligem Harnverlust, wenn sich der Druck und die Belastung im Bauchraum erhöhen (Heben, Tragen, Treppensteigen, Lachen, Husten, Niesen).

Nach Stamey werden drei Schweregrade unterschieden:

  1. Grad: Inkontinenz beim Husten, Niesen, Lachen
  2. Grad: Inkontinenz bei abrupten Körperbewegungen, beim Aufstehen, Hinsetzen, Heben schwerer Gegenstände
  3. Grad: Inkontinenz bei unangestrengten Bewegungen, im Liegen, volle Entleerung im Schlaf

Bei einer Dranginkontinenz tritt ein plötzlich starker Harndrang auf, bei dem die Toilette häufig nicht mehr rechtzeitig erreicht werden kann.

Eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz nennt man Mischinkontinenz.

Schon eine leichte Inkontinenz führt häufig zu ernsthaften Einschränkungen der Lebensqualität. Diverse sportliche Aktivitäten werden vermieden oder nur noch mit Einlage durchgeführt. Die Blase wird vorsichtshalber sehr häufig entleert, um peinliche Situationen zu umgehen. Nicht selten leidet auch die Sexualität einer Paarbeziehung, da die Frau sich schämt oder die sexuelle Lust stark reduziert ist. Angst vor einem Lach- oder Hustenanfall in der Öffentlichkeit gesellen sich zu. Früher unbeschwerte Dinge, wie Fangenspielen mit dem eigenen Kind oder gar gemeinsames Trampolinhüpfen werden gemieden.

Das muss nicht sein, denn es gibt viele Möglichkeiten eine Inkontinenz mit dem richtigen Alltagsverhalten und Beckenbodentraining in den Griff zu bekommen bzw. diese deutlich zu lindern. Wichtig ist anzuerkennen, dass man ein Problem hat.  Das „die paar Tröpfchen“ die vielleicht nur ab und an beim Husten mit voller Blase verloren gehen, evtl. schon eine leichte Belastungsinkontinenz darstellen. In diesem Fall solltest du möglichst früh das Gespräch mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin suchen. Diese können euch gegebenenfalls an ein geeignetes Beckenbodenzentrum und spezialisierte Therapeuten verweisen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *